Die Kleinen WT

(von Dr.Jakob Schmalzl)

Wie ich immer vorausgesagt habe, werden die kleinen WP durch Peer Review, Qualitätssicherung oder wie man das immer auch nennen mag um ihre Existenz gebracht. Die maßgeblichen Kollegen, welche die Wirtschaftsprüfer vertreten, haben das immer bestritten. Sie wurden überwiegend von den großen Gesellschaften ins IWP oder in die Kammer als Funktionäre entsandt. Diese Kollegen haben auch das Lobbying in Brüssel und in unseren Ministerien erledigt. Dabei ging es vor allem darum, die Prüfungsaufträge der kleinen WP in die großen Gesellschaften abzusaugen. Ist die rigorose Qualitätskontrolle, wie sie für Banken, Börsennotierte und andere im öffentlichen Interessestehende Gesellschaften sicher notwendig ist, auch für mittlere Familiengesellschaften sinnvoll?

Die Skandale um Schadensersatzansprüche ergaben sich immer im oberen Bereich. Zu diesem Bereich hatten wir kleine WP sowieso keinen Zugang. Aber wenn die Einflüsterer und Lobbyisten in Brüssel unsinnige EG Bestimmungen für ihre Großunternehmen propagieren, spielen wir Kleinen überhaupt keine Rolle. Wozu hat man uns ehemaligen Buchprüfern gnädigerweise die zeitaufwendigen Schulungen für den Übergang zu echten WP auferlegt, wenn wir dann nicht einmal das mehr prüfen können, was wir vorher durften? Ich glaube, die Großzügigkeit der Vertreter von IWP und Großkanzleien gab es nur deswegen, weil man höheren Orts schon wußte, daß wir dann durch unsinnige Qualitätsbestimmungen abgewürgt werden. Wie sollen bei diesen Auflagen junge WP den Weg in die Selbständigkeit gehen und Prüfaufträge sammeln? Man darf also die Schuld nicht nur Brüssel geben, wenn das Lobbying für „audit is audit“ bei den Behörden das richtige Augenmaß verhindert.